Strenge Justiz in SingapurDie Stadt der 1000 Verbote
Auf Vergehen die in den meisten westeuropäischen Ländern eher milde bestraft werden, stehen in Singapur oft hohe Geldstrafen und teilweise auch noch mehr.
Singapur wird manchmal auch "Fine City" genannt (engl. für schön bzw. Geldstrafe). Dahinter steckt eine offensichtliche Doppeldeutigkeit, die darauf hinweisen will, dass in Singapur die meisten kleineren Vergehen schon mit enorm hohen Geldstrafen geahndet werden können. Doch nicht nur für den Geldbeutel kann es gefährlich werden, wenn man sich hier nicht an die Gesetze hält. Wer allzu sehr gegen die Regeln spielt, kann schonmal sein körperliches Wohlbefinden aufs Spiel setzen - oder gar sein Leben. Ordnungswidrigkeiten können in Singapur sehr teuer werden.Besonders die rigide Ahndung von Fällen in denen Kaugummi auf den Gehsteig geworfen wurde, sorgte bei ausländischen Medien oftmals für Entrüstung beziehungsweise Veralberung der Justiz Singapurs. Nicht unbedingt ganz unbegründet. Früher ging die Verachtung gegen Kaugummi von Seiten der Regierung sogar so weit, dass der Verkauf gänzlich verboten oder nur gegen Vorlage eines ärztlichen Attestes möglich war. Essen und Trinken in öffentlichen Verkehrsmitteln kann den Sünder mitunter arm machen. Die Maximalstrafe hierfür beträgt 5000 Singapur-Dollar, was umgerechnet etwa 2500 Euro entspricht. Wer seinen Müll achtlos auf öffentlichen Boden wirft, muss sogar damit rechnen für Sozialarbeiten, wie zum Beispiel Säuberung öffentlicher Anlagen verpflichtet zu werden und hierbei eine plakative Weste zu tragen, die das gesetzeswidrige Verhalten des Betreffenden zur Schau zu stellen soll. Was auch immer der offizielle Bußgeldkatalog sagen mag, in der Realität werden die teilweise extrem hohen Geldstrafen, zumindest für nichtige Vergehen nicht unbedingt angewandt und sollen eher eine abschreckende Wirkung ausüben. Wer sich eine Straftat zu Schulden kommen lässt braucht in Singapur einen guten AnwaltWeniger lässig geht die Justiz allerdings bei der Bestrafung von schwereren Vergehen vor. Auf Vandalismus stehen in schweren Fällen Schläge. Auch Falschaussagen vor Gericht können eine körperliche Bestrafung nach sich ziehen. Auch werden diese züchtigenden Maßnahmen in Fällen von sexuellem Missbrauch oder schwerer Körperverletzung etc. angewandt. Wirklich in Schwierigkeiten steckt allerdings, wer mit Drogen in Berührung kommt und dabei erwischt wird. So muss etwa jeder der mit mehr als 15 Gramm Heroin oder einem Pfund Cannabis auffällt mit der Todesstrafe rechnen. Als Folge dessen kann Singapur die meisten Pro-Kopf Todesurteile der Welt im Verhältnis zur Einwohnerzahl vorweisen. Internationale Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International kritisieren die unmenschlichen Bestrafungen in Singapur stark, haben bisher allerdings von Seiten der Regierung wenig positive Resonanz erhalten. Die harten Strafen in Singapur sind falsche Reaktionen auf richtige IdeenGrundsätzlich stehen hinter dem rigiden Durchgreifen der Justiz in Singapur ehrwürdige Ziele. Die Umweltschmutzung soll auf einem möglichst niedrigen Niveau gehalten werden und das saubere Stadtbild erhalten bleiben. Straftaten wie Diebstahl, Körperverletzungen, Sexueller Missbrauch und Drogenhandel sollen unterbunden werden. Was im Bezug auf hohe Geldstrafen noch vertretbar und in gewissem Maße sinnvoll ist, stellt sich im Bereich der körperlichen Züchtigung sowie der Todesstrafe als mehr als fragwürdig dar. Zwar funktioniert das Justizsystem in Singapur und die Zahl der Ordnungswidrigkeiten und kleineren Vergehen ist auf einem relativ niedrigen Niveau. Dass extreme Strafmaßnahmen gegen schwere Verbrechen jedoch nicht das wirksamste Mittel sind, zeigt allein schon das Beispiel der USA, wo bewaffnete Überfälle bis hin zum Mord immernoch in relativ vielen Fällen auftreten, trotz der strengen Strafmaßnahmen, die auch bis hin zur Todesstrafe reichen. Doch trotz aller Kritik bleibt die Justiz Singapurs eine der strengsten der Welt. Immerhin wurde das Kaugummiverbot in den letzten Jahren abgeschafft. Bleibt abzuwarten ob sich ähnliche Entwicklungen auch bei der Ahndung von schweren Straftaten vollziehen.
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